Farben, die auf dunklen Textilien kräftig strahlen, klare Details und langlebige Druckergebnisse – all das beginnt unter dem eigentlichen Motiv: mit dem Unterdruck.
Viele Drucker unterschätzen diese erste Farbschicht. Dabei entscheidet sie oft, ob ein Druck brillante Leuchtkraft entfaltet oder im Stoff „verschwindet“. In diesem umfassenden Guide erfährst du:
- Was eine Underbase ist – und warum du sie brauchst
- Typische Fehler und Missverständnisse
- 9 praxisbewährte Profi-Tipps
- Bonus-Know-how zu Flash, Paletten-Temperaturen und Werkzeugen
- Wie sich die Underbase-Technik entwickelt hat und wohin sie sich bewegt
Was ist eine Unterdruck? (Und warum ist sie so wichtig?)
Ein Unterdruck – auch Underbase, Unterleger, Underlay oder „Grundweiß“ – ist eine helle erste Farbschicht, meistens Weiß, die vor allen anderen Farben gedruckt wird.
Sie wirkt wie eine Grundierung und sorgt dafür, dass:
- Farben nicht vom Textil verschluckt werden
- Helligkeit und Intensität der späteren Farben erhalten bleiben
- feine Details sauber dargestellt werden können
- Dye Migration (vor allem auf Polyester) reduziert wird
- Farben auf dunklen Shirts so aussehen, wie sie aussehen sollen
Kurz: Ohne Underbase wäre Gelb auf Schwarz eher ein schmutziges Ocker – und nicht Gelb.
Ein Blick zurück: Wie die Underbase das Siebdrucken revolutionierte
In den Anfangszeiten des Textildrucks arbeiteten Drucker mit extrem dicken Farbschichten, um Farben auf dunklen Stoffen sichtbar zu machen.
Mit der Einführung von:
- Mehrfarb-Karussellen
- Flash-Cure-Einheiten
- automatischen Druckanlagen
… wurde der professionelle Underbase-Druck möglich. Heute ist die Underbase Standard bei hochwertigem Textildruck und Grundlage für moderne Hybrid-, Simulated-Process- und CMYK-Techniken.
Häufige Missverständnisse über den Unterdruck
Mythos 1: „Das Underbase-Weiß ist das Highlight-Weiß.“
→ Falsch.
Das Underbase-Weiß ist die Basis – das Highlight-Weiß oben drauf sorgt für echten „Pop“.
Mythos 2: „Untergründe sind immer Weiß.“
→ Nein.
Je nach Motiv wirken Grau, Beige oder Clear-Bases besser.
Mythos 3: „Eine Mesh-Zahl funktioniert immer.“
→ Ebenfalls falsch.
Die optimale Maschenzahl hängt von Motiv, Farbtyp und gewünschtem Farbauftrag ab.
Mythos 4: „Mehr Underbase = besser.“
→ Zu viel Underbase macht Shirts dick und „gummiartig“.

Die 9 wichtigsten Tipps für perfekte Screen-Printing-Underbases
Hier kommen die entscheidenden technischen Faktoren – klar erklärt und direkt umsetzbar.
1. Entscheide richtig, wann du eine Underdruck brauchst
Eine Unterdruck ist sinnvoll bei:
- dunklen Textilien
- leuchtenden Farben
- fotografischen oder detailreichen Motiven
- Motiven, die ohne Basis „grau und matt“ wirken würden
Weiche Vintage-Looks brauchen hingegen bewusst keine oder nur eine sehr dünne Underbase.
2. Wähle die richtige weiße Farbe
Für Underbases brauchst du:
- Hochdeckendes Weiß (High Opacity White)
- Schnell gelierend / Flash-White für PFP-Druck
- Low-Bleed Weiß für Polyester und Mischgewebe
Underbase-Weiß ≠ Highlight-Weiß.
Sie erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
3. Nutze die passende Mesh-Zahl
Für kräftige, volle Underbases:
- Manuell: 110–156
- Automatisch: 156–190
Für detailreiche oder halbtönige Underbases:
- 180–230 (manuell)
- 200–260 (automatisch)
Tipp: Achte auf ein mittleres Fadendurchmesser-Mesh (z. B. S-Mesh, LX-Mesh) für optimalen Farbauftrag.
4. Die richtige Emulsionsschicht (EOM)
Für Underbases ideal:
- Mindestens 10% Emulsion-Über-Mesh (EOM)
Das ergibt:
- einen gleichmäßigen Farbauftrag
- eine saubere Kante
- eine glatte Basis für die weiteren Farben
5. Squeegee-Wahl und Druckdruck
- Softere Rakel = mehr Farbauftrag
- Härtere Rakel (70–75 duro) = kontrollierterer Auftrag
- Rundkantenrakel für wasserbasierte Farben oder dicke Underbases
- Druck nur so stark wie nötig
→ Ink soll oben liegen, nicht durchs Shirt gepresst werden
Prüfregel:
Sichtbares Weiß auf der Shirt-Innenseite = zu viel Druck.
6. Passe deine Druckgeschwindigkeit an
- Wasserbasierte Farben → schneller drucken
- Plastisol → mittlere Geschwindigkeit
- Ziel: Die Farbe „sheared“ sauber ablegen, nicht stopfen
7. Off-Contact sauber einstellen
- Standard: 1 mm Off-Contact
- Wichtig: überall gleichmäßig
- Hoodies → etwas höherer Abstand
Uneinheitlicher Off-Contact = ungleichmäßige Weißflächen.
8. Achte auf ausreichende Screen-Tension (Newtons)
- Mindestens 20 N/cm
- Gleichmäßig über alle vier Ecken
Uneinheitliche Spannung → fleckiges Unterweiß → unsaubere Kanten.
9. „Choke“ die Underbase richtig
Die Underbase sollte minimal kleiner sein als die nachfolgenden Farben:
- verhindert, dass Weiß unter Farbkanten hervorblitzt
- reicht meist 1–3 Pixel / 0,2–0,4 mm
Bei Sim-Process oder komplexen Motiven erfolgt die Underbase oft:
- gepunkted (halftones)
- in Graustufen
- mit Software erzeugt (z. B. T-Seps, UltraSeps, AccuRIP Black Pearl)
Bonus-Tipps: Flash & Paletten-Temperatur richtig kontrollieren
Nicht zu lange flashen!
Das Ziel ist:
- Gelen, nicht durchhärten
- Oberfläche leicht klebrig, aber nicht heiß
Zu langes Flashen führt zu:
- schlechter Farbhaftung
- zu viel Wärme an der Palette
- verstopften Screens
- dickem Farbgefühl
Paletten-Temperatur niedrig halten
Wenn Paletten zu heiß werden:
- trocknet die Farbe im Screen
- Wasserbasierte Farben reagieren extrem empfindlich
- Druckbild wird ungleichmäßig
Lösung: Temperatur überwachen.
Ein Infrarot-Temperaturmessgerät ist Pflicht
Damit kontrollierst du:
- Paletten-Temperatur
- Flash-Temperatur
- Transferpresse
- Lycra / hitzeempfindliche Stoffe
- Vorwärmung deiner Shirts
Tipp:
IR-Guns messen nur die Oberfläche, nicht die Ink-Core-Temperatur.
Für die tatsächliche Ink-Durchhärtung brauchst du einen:
- Donut-Probe (Donut Thermometer)
Zukunft des Unter-Drucks
Die nächsten Entwicklungen im Textildruck drehen sich um:
- Hybriddruck (Screen-Underbase + Digitalfarben)
- 3D-Underbases für High-Density-Looks
- CTS-Automatisierung
- Schnelltrocknende Farben
- Öko-freundliche Alternativen (waterbased, eco-plastisol)
- UV-LED Curing
Die Underbase bleibt – aber wird smarter, schneller und präziser.
Fazit: Der Unterdruck ist das Fundament brillanter Drucke
Eine perfekte Underbase ist:
- sauber aufgebaut
- technisch durchdacht
- exakt registriert
- optimal geflasht
- nicht zu dick
- nicht zu heiß
- nicht zu kalt
- präzise gechoked
- und testet ihre vollständige Durchhärtung
Wer sie beherrscht, druckt Farben, die strahlen, halten, und professionell aussehen.
