Wie man mit wasserbasierten Siebdruckfarben druckt

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Wasserbasierte Siebdruckfarben haben sich von einfachen, frühen Textilfarben zu einem der modernsten, nachhaltigsten und leistungsstärksten Farbsysteme der heutigen Bekleidungs- und Spezialdruckindustrie entwickelt. Dieser Leitfaden fasst Geschichte, Chemie, Techniken, Ausrüstung und Expertenwissen (einschließlich des professionellen Trainings von Mark Gervais) in einer kompakten, leicht verständlichen Ressource zusammen.

Was macht wasserbasierte Farben anders?

Im Gegensatz zu Plastisolfarben – die auf dem Stoff liegen – dringen wasserbasierte Farben in die Fasern ein und verankern sich dort. Wenn das Wasser verdunstet und die Binder aushärten, entsteht ein Druck, der weich, atmungsaktiv, flexibel und vollständig in das Textil integriert ist.

Grundprinzip:
Wasser ist das Trägermedium. Wenn es verdunstet, verbinden sich Pigmente und Binder im Gewebe.

Härtetemperatur:
ca. 160 °C (320 °F), abhängig von der Formulierung.
Der Luftstrom ist dabei genauso wichtig wie die Hitze.

Eine kurze Geschichte des wasserbasierten Drucks

Die frühen Anfänge

Wasserbasierte Formeln waren die ersten Farben im Textildruck. Künstler wie Andy Warhol arbeiteten bereits mit wasserlöslichen Farbstoffen und Bindern, lange bevor es industrielle Farbsysteme gab.

Der Plastisol-Durchbruch (1961)

Plastisol brachte:

  • leichte Handhabung
  • hohe Deckkraft
  • lange Offenzeit
  • einfaches Aushärten

Diese Vorteile verdrängten wasserbasierte Farben fast 40 Jahre lang.

Das globale Comeback

Ab den 1990ern kehrten wasserbasierte Farben stark zurück — aufgrund von:

  • strengeren Umweltauflagen
  • der Nachfrage nach weichen Modeprints
  • früher europäischer Marktakzeptanz
  • großen Fortschritten in der Chemie

Heute sind sie die erste Wahl für hochwertige Mode und moderne Druckereien.

Wie wasserbasierte Farben funktionieren

1. Der Mechanismus

  • Wasser trägt Pigment + Harz.
  • Hitze und Luftstrom verdunsten das Wasser.
  • Harz und Pigment vernetzen sich in den Fasern.
  • Eine dauerhafte, flexible Verbindung entsteht.

2. Farbtypen

  • RFU (Ready-for-Use): gebrauchsfertig, einfach anzuwenden
  • HSA (High Solids Acrylic): hohe Deckkraft für helle und dunkle Textilien
  • Discharge-Farben: entfernen den Stofffarbstoff und ersetzen ihn durch Pigment
  • Pigment-/Lackfarben: für Poster, Glas, Metall, Holz

3. Aushärteanforderungen

Wasser muss zuerst entweichen, bevor Binder aushärten können.
Luftstrom ist Pflicht – ohne ihn „dampft“ die Farbe statt zu härten.

Vorteile des wasserbasierten Drucks

Ultrazarter Griff – der Stoff bleibt atmungsaktiv, der Druck wird Teil des Textils
Haltbarkeit – richtig ausgehärtete Drucke reißen oder blättern kaum
Umweltfreundliche Eigenschaften – kein PVC, keine Phthalate, weniger VOC, Reinigung mit Wasser
Hohe Detailgenauigkeit – dünne Gewebe + niedrige Viskosität = feine Linien & Raster
Farbintensität – besonders stark auf 100 % Baumwolle
Vielseitige Anwendungen – auch auf Poster, Holz, Metall, Glas usw.

Herausforderungen (und wie man sie löst)

Wasserbasierte Farben sind leistungsstark – aber sie verlangen richtige Technik.

1. Schnelles Trocknen im Sieb

Kann in Minuten passieren.
Lösungen:

  • zwingender Flood-Stroke
  • Retarder/Humectants
  • kontrollierte Luftfeuchtigkeit
  • konstante Druckdisziplin

2. Deckkraft

Auf dunklen Textilien schwieriger.
Lösungen:

  • HSA-Systeme
  • Discharge-Untergründe
  • passende Gewebeauswahl

3. Schablonenhaltbarkeit

Wasser greift Emulsionen stark an.
Lösungen:

  • wasserbeständige Emulsion
  • Härten bei langen Läufen
  • korrekte Belichtung (nicht verhandelbar)

4. Farbton-Matching

Weniger opake Farben sind sensibler.
Lösungen:

  • Mischungen genau dokumentieren
  • alles testen & aufzeichnen

5. Produktionsgeschwindigkeit

Zusätzliche Flashes, mehr Luft, häufigere Screenpflege.

Siebe, Schablonen & Gewebe (kritisches Setup)

Siebreinigung

  • sofort reinigen – eingetrocknete Farbe ist extrem schwer zu lösen
  • keine heißen Lösemittel (MEK, Aceton)
  • für die Vorwäsche warmes Wasser nutzen

Emulsionsauswahl

Empfohlen:

  • wasserbeständiger Dual-Cure
  • Härten bei > 500 Drucken
  • gleiche Emulsion für Blockout verwenden
  • wenig Tape bei Discharge-Jobs

Gewebeführer

  • 110–160 TPI (43–63 t/cm): allgemeiner wasserbasierter Druck
  • 225 TPI / 40 µm Garn: feine Details
  • geringere Gewebe = mehr Farbfluss
  • höhere Gewebe = schnelleres Zusetzen

Drucktechnik nach Mark Gervais

Aus seiner bekannten 6-teiligen Trainingsserie.

1. Zwingender Flood-Stroke

Nach jedem Druck:

  • Rakel anheben
  • Motivfläche leicht fluten
  • Gewebe feucht halten — immer

2. Druckfluss

  • Pausen > 1 Minute vermeiden
    Bei Stopp:
  • stark fluten oder
  • Farbe aus dem Bildbereich schieben
  • Farbe mit Folie abdecken

3. Umweltkontrolle

  • Luftbefeuchter an der Maschine
  • Sprühflasche bei leichten Verstopfungen
  • mit Wasser oder wasserbasiertem Screen Opener wischen

4. Additive

  • Retarder: verlangsamen Trocknung
  • Humectants: halten Farbe offen ohne zu verdünnen
  • Katalysatoren: helfen bei unzureichender Hitze
  • Crosslinker: senken Cure-Temperatur (super für Polyester)

Druckmaschinen-Setup

Rakel

  • immer scharf
  • gleichmäßiger Druck, Winkel & Geschwindigkeit
  • Kanten regelmäßig nachschleifen

Paletten-Temperatur

60–65 °C (140–150 °F) ist optimal.
Damit:

  • verdunstet Wasser schneller
  • bleibt die Farbe geschmeidig
  • verhindert man Farbaufbau im Sieb

Zwischentrocknung (Flash)

Luftunterstützte Flashs sind ideal.

Man braucht:
Hitze + Luftbewegung

Maschinenaufwärmung

Vor Produktion:

  • Paletten aufwärmen
  • Siebe temperieren
  • Testdrucke fahren

Aushärten wasserbasierter Farben (der wichtigste Schritt)

Wasserbasierte Farben härten nicht wie Plastisol.
Du brauchst alle drei Faktoren:

  1. Zeit – meist 2,5–3 Minuten
  2. Temperatur – laut Hersteller
  3. Luftstrom – Wasser muss entweichen können

Dual-Pass-Methode

  1. Durchgang: Wasser verdunsten
  2. Durchgang: Harze aushärten

Kleine Trockner benötigen oft 3 Durchgänge.

Probleme vermeiden

  • zu wenig Zeit = Unterhärtung
  • zu wenig Luft = Kondensation im Trockner
  • ungleichmäßige Hitze = Farbabweichungen

Wissenschaftlicher Hinweis

Während der Aushärtung verändern sich die Farben von:
alkalisch → sauer
Das aktiviert die Vernetzung und endgültige Haftung.

Öko-Debatte, Mythen & Missverständnisse

Mythen

„Sie waschen leicht aus.“ – Falsch, nur untergehärtete Drucke tun das.
„Zu schwer zu benutzen.“ – Moderne HSA- und Zusatzstoffe erleichtern vieles.
„Man braucht teure Geräte.“ – Auch falsch: niedrige Cure-Temperaturen senken Kosten.

Realitäten

  • Wasserreinigung erzeugt trotzdem Abwasser
  • Einige Formeln enthalten nicht 100 % natürliche Zusätze
  • Plastisol entwickelt sich ebenfalls weiter (PVC-freie Optionen)

Die Zukunft des wasserbasierten Drucks

1. Nachhaltigkeit

Hersteller arbeiten an:

  • Null VOC
  • biobasierten Harzen (Mais, Holzabfälle, bakterielle Quellen)
  • ungiftigen Formulierungen

2. Intelligente Chemie

Erwartet werden:

  • Crosslinker für sehr niedrige Temperaturen
  • Humectants mit Stunden langer Offenzeit
  • Fixierer für extreme Waschbeständigkeit
  • Additive gegen Dehnung & Migration

3. Erweiterte Anwendungen

Wasserbasierte Systeme dringen vor in:

  • Kunststoffe
  • Elektronik (leitfähige Tinten)
  • Medizintechnik
  • funktionelle Beschichtungen

4. Hybridisierung

Kombinationen aus Wasserbasis + Plastisol sowie digitale Hybriddrucksysteme wachsen weiter.

Warum wasserbasierte Farben wichtig sind

Wasserbasierte Farben stehen für:

  • Komfort – superweiche Drucke
  • Langlebigkeit – wenn richtig gehärtet
  • Nachhaltigkeit – bessere Chemie
  • Innovation – Nanotechnologie, smarte Additive, hybride Workflows

Von High-Fashion-Brands bis zu lokalen Druckereien:
Wasserbasierter Druck steht für Qualität, Umweltbewusstsein und technische Kompetenz.

Der ultimative Leitfaden: Wie man mit wasserbasierten Siebdruckfarben druckt

Mark Gervais, ein erfahrener Siebdrucker, der sich auf wasserbasierte und PVC-freie Farben spezialisiert hat, hat eine sechsteilige Videoserie zusammengestellt, die alles abdeckt, was du über das Drucken mit diesen Farben wissen musst.

Von der Farbseparation bis zum Arbeitsablauf in der Druckerei führen dich diese Tutorials durch den gesamten Prozess. Mark ist bekannt für seine klaren, detaillierten Erklärungen, sodass du effektive Techniken leicht erlernen und häufige Fehler vermeiden kannst.

Die Videos stammen aus dem Jahr 2013, daher ist die Tonqualität nicht perfekt – aber die Informationen sind unbezahlbar und völlig kostenlos. Wenn du den wasserbasierten Siebdruck meistern willst, ist diese Serie alles, was du brauchst.

Hinweis: Die Videos sind leider nur auf Englisch verfügbar. Wer die Sprache jedoch beherrscht, sollte sich diese Serie unbedingt ansehen – es lohnt sich!

Part 1 of 6 - Waterbased PVC-Free Alternatives - Separations/Film Output
Part 2 of 6 - Waterbased PVC-Free Alternatives - Screen Making
Part 3 of 6 - Waterbased PVC-Free Alternatives - Inks/Ink Prep
Part 4 of 6 - Waterbased PVC-Free Alternatives - Inks/Ink Prep
Part 5 of 6 - Waterbased PVC-Free Alternatives - Screen Printing/Press Set-Up
Part 6 of 6 - Waterbased PVC-Free Alternatives - Curing / Drying

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Stefan Mertes

35 Jahre Siebdruck haben mich viel gelehrt. Ich möchte, dass auch andere davon profitieren. Ich strebe nach Genauigkeit, nutze professionelle Schreibhilfen und prüfe alle Inhalte persönlich. Affiliate-Links, die mit (#) gekennzeichnet sind, unterstützen meine Arbeit ohne zusätzliche Kosten für Sie. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Über die Jahrzehnte habe ich für Marken gedruckt wie:



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