Definition und Prozessrelevanz von EOM (Schablonenaufbaudicke)
Der Parameter EOM (Emulsion Over Mesh) – im deutschen Sprachraum als Schablonenaufbaudicke definiert – beschreibt die physikalische Schicht der fotosensitiven Kopierschicht, die vertikal über die Gewebefäden auf der Substratseite (Druckseite) hinausragt. Dieser Wert wird als Differenz zwischen der Gesamtdicke der beschichteten Schablone und der ursprünglichen Gewebedicke in Mikrometern (µm) oder als prozentualer Anteil der Gewebestärke berechnet.
Physikalische Funktion: Der Gasket-Effect
Eine definierte Schablonenaufbaudicke fungiert als hydrostatische Dichtung (Gasket) zwischen dem Siebgewebe und der Substratoberfläche. Dieser Dichtungseffekt verhindert, dass die Druckfarbe durch Kapillarkräfte unter die Ränder der Schablone migriert, was technisch als Dot Gain (Punktzuwachs) oder Sägezahneffekt (Saw-Toothing) an Kanten definiert wird. Ein EOM-Wert von 0 µm (Schablone bündig mit Faden) führt zwangsläufig dazu, dass die Gewebeknotenpunkte das Substrat berühren und den Farbfluss an den Rändern fragmentieren.
Zielwerte nach Anwendungsbereich
Die erforderliche EOM-Stärke korreliert direkt mit der Feinheit des Druckmotivs und der Gewebegeometrie.
| Anwendung | Ziel-EOM (% vom Gewebe) | Typischer Wert (µm) | Technischer Nutzen |
|---|---|---|---|
| Standard Textil / Flächen | 15 % – 20 % | 8 – 15 µm | Maximale Opazität und Kantenstabilität auf saugenden Untergründen. |
| High-End Raster / UV | 6 % – 10 % | 3 – 6 µm | Minimierung von Interferenzen beim Farbauftrag und Reduktion des Farbauftragsvolumens. |
Einflussfaktor: Festkörpergehalt und Schrumpfung
Der Festkörperanteil (Solid Content) der flüssigen Emulsion bestimmt den Volumenschwund während der Trocknungsphase und somit den finalen EOM-Aufbau. Emulsionen mit einem Festkörpergehalt von > 40 % (z. B. SBQ-Photopolymer) weisen eine geringere Verdunstungsschrumpfung auf als Diazo-Systeme (< 30 % Festkörper), wodurch der Ziel-EOM mit weniger Beschichtungshüben erreicht wird.
Applikations-Mechanik: Einfluss der Beschichtungsrinne
Die Geometrie der Beschichtungskante reguliert den hydraulischen Druck und die Schichtdicke pro Hub. Eine runde Kante (Radius 1,0 – 1,25 mm) ermöglicht durch verringerte Scherwirkung einen hohen Schichtaufbau für Standardanwendungen. Eine scharfe Kante (Radius < 0,3 mm) schneidet überschüssige Emulsion ab und ist technisch notwendig, um bei feinen Geweben (> 120 T/cm) einen kontrollierten EOM von unter 6 µm zu erzielen.
Messtechnik und Verifikation
Die Validierung der Schablonenaufbaudicke erfordert elektronische Schichtdickenmessgeräte (z. B. nach dem magnetinduktiven Verfahren oder Wirbelstrom-Verfahren) auf einem ferromagnetischen Referenzsubstrat. Alternativ ermöglicht die mikroskopische Querschnittsanalyse (Cross-Section) bei einer Vergrößerung von > 200x die optische Vermessung des Abstands zwischen der Gewebeoberkante und der Schablonenoberfläche.










